Wohnen als Übergangslösung

Es ist schon irgendwie verrückt. Ich stelle ein sehr merkwürdiges Verhalten bei mir fest. Und zwar ist es eigentlich so, dass ich wirklich total begeistert bin von allem, was irgendwie mit Einrichtung, Innendesign, Innenarchitektur zu tun hat. Ich könnte den ganzen Tag damit verbringen, mich damit zu beschäftigen, wo es tolle Möbel, Bilder, Vasen usw. gibt. Zeitschriften, Instagram und Pinterest sind voll mit Inspiration und Ideen. Ich sammel soviele Bilder, das mein Speicher so gut wie voll ist und kann mich meistens ganz gut daran erinnern, wo ich was und wie kombiniert gesehen habe. Mein räumliches Vorstellungsvermögen ist meiner Meinung nach super und mein Geschmack ist auch ganz ok 🙂

Jetzt ist es aber so, wie einige bestimmt mitbekommen haben, dass mein Lieblingsmensch und ich vor jetzt gut einem Monat aus unserer tollen Wohnung ausgezogen sind und erstmal bei den Schwiegereltern wohnen, bevor es in unser eigenes kleines Häuschen geht – man muss ja Geld sparen und irgendwie dauert das mit dem Hausbau bei unseren Freunden und Verkäufern halt länger als gedacht. Beziehungsweise es wurde noch nichtmal angefangen, aber das ist ein anderes Thema.

Jedenfalls mussten wir uns von gut 70m² auf ein Zimmer verkleinern. Man kann sich vorstellen, dass das relativ schwierig ist 😉 Also sind die meisten unserer Sachen eingelagert worden und wir haben nur das Nötigste mit hier in unserem Zimmerchen genommen, also Kleidung, Fernseher, wichtige Unterlagen, was man halt alles so braucht. Wir haben hier natürlich nichts verändert, also nicht tapeziert oder gestrichen, nur unser Bett, ein paar Möbel und Kisten untergebracht.

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Ich hab einfach überhaupt nicht dass Bedürfnis, das Zimmer hier schön einzurichten. Ist das nicht seltsam? Es steht alles größtenteils noch genau da, wo wir es beim Umzug abgestellt haben. Es wird auch nichts dekoriert. Bilder aufgehangen auch nicht. Es ist einfach total chaotisch und auch unwohnlich. Ich würde jetzt nicht sagen, dass ich mich hier unwohl fühle, im Gegenteil, ich wurde total lieb aufgenommen und es klappt auch alles super bisher. Aber irgendwie ist das hier nicht „mein Wohnraum“, kein Zuhause worum ich mich bemühen kann.

Genauso ging es mir in meinem letzten WG-Zimmer. Man sollte meinen, eine Innenarchitekturstudentin schafft es irgendwie, sich „schön“ einzurichten. Aber nope. Nichts da. Das war immer nur eine Übergangslösung für mich, obwohl ich nicht ahnen konnte, wo mich das Leben danach hinführt und wie lange ich dort wohnen würde. Letztendlich war es etwas über 1,5 Jahre. Und das in so einer komischen Übergangslösung, wo nichts passte und auch kein Bedürfnis entstanden ist, es irgendwie wohnlich zu gestalten. Selbst die komische Wandgestaltung und kaputten Tapeten der Vormieterin habe ich so gelassen, wie sie waren. Ich will nicht rumjammern oder mich beklagen, denn es ging mir ja gut damit. Ich war zufrieden und wollte das auch so. Es war irgendwas zwischen „Ist mir total egal“ und „Lohnt sich eh nicht, ist nicht für immer“.

Ganz anders sah es in unserer ersten, gemeinsamen Wohnung aus. Ich habe sie wirklich sehr liebevoll und auch mit viel Liebe zum Detail eingerichtet. Es solltet unbedingt unser perfektes, kleines Nest werden – und das war es auch! Ständig habe ich etwas optimiert oder noch schöner, individueller und einzigartiger gemacht. Selbst mein Lieblingsmensch, der erst skeptisch war, war hinterher immer begeistert (zum Glück haben wir einen ähnlichen Geschmack) und vertraut mir vollkommen.

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Ich stelle jetzt nur fest, wie sehr ich darauf reagiere, ob ich mich irgendwo zuhause fühle. Für das neue Haus ist nämlich der Nestbautrieb in vollem Gange und ich habe schon alles fertig in meinem Kopf, wie es einmal werden soll. Auch die ganzen Details schon mehr oder weniger, wo welches Bild und welche Vase hin soll, die Wandfarben und Möbel sind auch schon ausgesucht. Schon irgendwie bescheuert, oder? Ich meine, wir werden hier noch gut 5 Monate wohnen, und ich weiß ganz genau, dass sich hier rein garnichts ändern wird und das ist auch in Ordnung für mich. Alle Projekte, die ich vorhabe (Couchtisch, Esstisch, Kleiderschrank), sind schon für unser neues Zuhause gedacht.

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Ist es euch auch schonmal so ergangen? Oder seid ihr da ganz anders? Bin ich abgestumpft, weil ich seit ich 20 bin ungefähr alle anderthalb Jahre umgezogen bin? Lohnt es sich, Zeit und Mühe aufzuwenden, wenn man nur eine begrenzte Zeit an einem Ort verbringt? Wenn man weiß, es wird immer nur für den Übergang sein, nach dem Motto „Augen zu und durch“? Oder sollte man es sich immer so schön und wohnlich wie möglich machen? Ich interessiere mich sehr für eure Meinungen zu dem Thema!

Es mangelt mir jedenfalls nicht an Ideen und Vorstellungsvermögen, im Gegenteil! Ich will endlich loslegen, denn ich freue mich einfach so wahnsinnig 😉 Ob das wohl ok ist, wenn ich schonmal rüber gehe und anfange, Tapeten abzukratzen…? 😀

Naja, wie auch immer, habt einen schönen Tag und einen wundervollen Start in die Woche <3

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